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Mein Garten – mein Halt

Ein Garten kann Halt im Leben geben, insbesondere wenn das Leben sich gravierend ändert. Nutzen wir diese Seite des Kleingartenwesens für unser gemeinsames Anliegen besonders gut.

Die Nutzung eines Kleingartens hat bei vielen Kleingärtnerinnen und -gärtnern Tradition. So haben in Sachsen bei 55 % der Gartenpächter schon die Eltern einen Kleingarten bewirtschaftet. Sie sind von klein auf in den Garten hineingewachsen, haben ihn zum Teil von den Eltern übernommen.
Der Garten gehört zu ihrem Leben, sie möchten und können ihn nicht mehr missen. Das ist auch mit ein gewichtiger Grund dafür, dass nach dem Tod des Ehepartners der überlebende Partner meist an der Gartennutzung festhält. So werden in Sachsen 14,4 % der Parzellen durch Alleinstehende, meist Frauen, genutzt. Wir fragten einige Meißener Gartenfreundinnen nach den Gründen.

„Ich konnte mir ein Leben ohne den Garten nicht vorstellen. Hätte ich ihn nach dem Tod meines Mannes aufgeben müssen, wäre mein Leben eines wichtigen Inhaltes beraubt worden. Hier finde ich einen Halt in meinem Leben. Wir haben eine gute Gartengemeinschaft, und wenn ich einmal etwas nicht schaffe, dann helfen mir meine Nachbarn gern." (W. Junghans)

„Unser Garten hat mir in den schweren Wochen und Monaten nach dem viel zu frühen Tod meines Mannes Halt gegeben und tut es auch noch heute. Anfangs war die Gartenarbeit für mich zum Teil ungewohnt, weil sie meist mein Mann erledigte und ich vor allem für das Verarbeiten des Geernteten zuständig war. Jeder Baum, jeder Strauch und die Laube erhalten die Erinnerung an ihn lebendig. Ich sage oft voller Stolz, wenn mir wieder etwas gelungen ist: Wenn das mein Mann sehen könnte und ich habe dann den Eindruck, dass er zustimmend nickt. Jeden- falls werde ich den Garten so lange es geht behalten." (I. Mauksch)

„Mein Garten war; solange ich ihn gesundheitlich noch bewirtschaften konnte, mein Ein und Alles. Er half mir vor allem über die Einsamkeit nach dem Tod meines Mannes hinweg. Hier konnte ich mich an der Natur erfreuen - und meine Pflanzen haben es mir nicht übel genommen, wenn ich ab und zu mit ihnen geredet habe." (G. Heil)

Dass ein Garten Halt im Leben geben kann, insbesondere wenn das Leben sich gravierend ändert, wird in diesen wenigen Aussagen beonders deutlich. Nutzen wir diese Seite des Kleingartenwesens für unser gemeinsames Anliegen besonders gut. Nichts ist schlimmer als wenn ein Vorstand einer 92-jährigen Frau den Garten kündigt, weil sie ihn nur noch schlecht bewirtschaften kann. Denn damit würden für sie 60 Jahre Leben im vom Mann eingerichteten Garten einschließlich des Gedenkens an ihn ausgelöscht. Diesen Halt sollten wir einem Mitmenschen niemals entziehen, sondern uns darüber freuen, dass wir ihn bieten können.

(Rudolf Trepte, Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.)